Rückblick auf das 1. Jahr freies Malen

Mit viel Freude schaue ich auf farbenfrohe und wunderbare neue Erfahrungen sowie tolle kreative Begegnungen zurück. Anhand der Rubrik "Tanzende Pinsel" in der Navigationsleiste könnt ihr erkennen, dass viel buntes und künstlerisches auf Papierbögen entstanden ist. Ob mit einem Pinsel, den Fingern oder nur mit einem Spachtel - alles wurde ausprobiert.  

 

Mehrfach wurde mir bestätigt, dass freies Malen, das unbeschwerte Spielen mit Farbkombinationen, bei den Malenden viel Begeisterung auslöst. Einige nahmen ihre Bilder mit, andere dagegen nur den inneren Prozess welcher in Ihnen freigesetzt wurde. Mich hat dies ermutigt die Thematik weiterzuentwickeln, auszubauen und neue - den Bedürfnissen entsprechende - Ideen einzubringen.

 

Es besteht nun die Möglichkeit an einer Staffelei und auf Leinwände zu malen. Als Rückzugsgelegenheit aus unserem hektischen Alltag und als eine kleine Oase der Ruhe bietet sich unser neu gestaltetes Atelier in Jegenstorf vorzüglich an. Für eine angenehme, entspannte und ruhige Atmosphäre ist die Teilnehmerzahl auf drei Personen beschränkt.    

 

Eure Wünsche habe ich mir zu Herzen genommen und lade dich nun herzlich ein mit ins Bild einzutauchen. Entdecke was du siehst und wie du die Farbenvielfalt erlebst. Bringe zum Ausdruck was dich bewegt und staune über den Prozess wie Farben und Formen Gefühle zum Ausdruck bringen und ein Bild lebhaft gestaltet werden kann. Weder Farben noch Formen sind an Gegenstände gebunden. Ganz frei können sie in ein Bild eingebracht werden.

 

"Lass Farben und Formen einfach miteinander spielen."

 Wassily Kandinsky

 

 

Freies Malen Schule Ittigen 5. Klasse

Meine Erfahrungen zusammengefasst:

 

Montagmorgen 17. Dezember 2018. Ein BG Raum (Bildnerisches Gestalten) wurde am Vorabend zu einem Malatelier umfunktioniert.

Im vorderen Teil wurden fünf Kreativplätze, in der Form eines Kreises, eingerichtet. Es standen Pulte zu Verfügung, welche man ähnlich wie bei einer Staffelei in der Höhe und Neigung verstellen konnte. Dies ermöglichte es den Schülern optimal, ihrer Grösse entsprechend, davor zu stehen und sich in jede Richtung frei zu bewegen. Der Zeichenbogen wurde auf der Tischplatte an den Rändern mit Teppichkleber befestigt sowie ein zusätzliches Pult für die Farbpalette und die verschiedenen Malutensilien, zur kreativen Umsetzung, dazugestellt.

 

Weitere Materialien wie Pinsel, Schwämme, Roller und verschiedene Gouage Farben waren schon vorhanden und standen in der Mitte, auf zwei Pulten verteilt, für alle zur freien Verfügung.

Die Klasse wurde von der Lehrkraft in fünf Gruppen, mit jeweils vier bis fünf Schülern, eingeteilt.

 

Jede Gruppe hatte 35 Minuten Zeit. Davon waren fünf Minuten um den Platz für die nächsten MitschülerInnen wiederherzurichten eingeplant. Durch die eher kleine Gruppenaufteilung konnten sich alle mitwirkenden Schüler, individuell und in einer ungezwungenen ruhigen Atmosphäre, ganz auf das freie Malen und ihr Bild konzentrieren. Im Hintergrund lief leise, ruhige Instrumentalmusik.  

 

Zum Einklang jeder einzelnen Gruppe setzten wir uns in einen Kreis. Nach einem kurzen Input zu Freies Malen und nochmals, wie schon zuvor durch die Klassenlehrerin erwähnt, dass die Kunstwerke weder bewertet noch benotet werden und dies auch von allen Teilnehmenden eingehalten werden sollte, durfte nun jedes der Schülerinnen und Schüler einen Malschurz fassen und sich mit seinem Namensschild zu einem Platz begeben.

 

Es machte den Anschein, als wollten die Kinder keine Minute verpassen. Wie die Schüler ihren Malschurz, welcher ausnahmslos von allen mit den Knöpfen hinten zugeknöpft werden musste, nun endlich anhatten, liefen sie automatisch zu einem freien Platz und verwandelten sich sofort in kleine Künstler. Vom ersten Moment an war die Begeisterung und Vorfreude sichtbar gross. Es liess mich staunen, wie einzelne Schüler mir durch Feedbacks erwähnten, dass sie nur noch in Erinnerung hatten, in der zweiten Klasse schon einmal Freies Malen praktiziert zu haben und es seither nie mehr umsetzten. Jedes Mal wenn ich einer Gruppe mitteilen musste, dass ihnen nur noch fünf Minuten Zeit bleiben, kam unisono die Bemerkung: «Oh...nein, so schade, ich möchte noch länger dran bleiben». Einzelne haben noch ein zweites Bild angefangen, obschon sie wussten, dass ihnen nicht mehr viel Zeit zum Umsetzen zur Verfügung stand. Ich denke, mit so einer Freude und solchem Durchhaltevermögen wäre es möglich gewesen eine ganze Schullektion durch Freies Malen abzudecken.

 

Wenn dann am Schluss einer Schülerin auffällt, dass die Farbrückstände auf dem Pult schon selber wie ein Gemälde aussehen. Sich ein Schüler wie ein kleiner Piccasso fühlt und ein weiterer Schüler findet, dass sogar der Waschlappen voller Farbe wie ein Kunstwerk aussieht, oder stolz mit Farbtupfer im Gesicht durch das Schulhaus rennt, dann war doch das Freie Malen erkennbar für alle ein tolles und wertvolles Erlebnis.

 

Ich danke der Klassenlehrerin Frau Schulthess für den Auftrag. Dank ihrer vorab guten Organisation und bestmöglichen Vorbereitungen fühlte man sich in jedem Bereich voll und ganz durch die Lehrkraft unterstützt und mit einbezogen.  

 

Mich hat diese neue Erfahrung sehr bestärkt und motiviert das Bedürfnis für Freies Malen noch mehr zu wecken und weiterhin im Atelier Piccolocasso oder in einer Schule, während einer Lektion Bildnerisches Gestalten, anzubieten.    

 

 

Erweitertes Freies Malen

Freies malen lässt sich stetig weiterentwickeln. Wie immer beginnen wir mit einem bunten Farbenspiel und lassen die Pinsel tanzen. Dabei entstehen individuelle Kompositionen. Ohne Vorlage oder Vorgaben. Danach nehmen wir ein paar Schritte Abstand von der Leinwand. Auf spielerische Art und Weise versucht man das Farbenspiel als Hintergrund zu betrachten und schaut vertieft in das Bild hinein. Eine gute Möglichkeit das Künstlerische Auge zu schulen und zu trainieren.

 

 

«ICH SEHE ETWAS, WO DU NICHT SIEHST» 

 

Während einer Zeit des Freien Malens bereite ich eine Papierleinwand vor. Indem ich einfach kreuz und quer die noch an den Pinsel behafteten Farbenresten auf das Papier abstreiche, ergibt sich daraus ein farbenfroher Hintergrund. Wir nehmen einen Kohlestift und fangen an, das was wir sehen und noch nicht zu erkennen ist, nachzuzeichnen. So entstehen spontane Gemälde.

 

 

Das Bild bekam den Namen «Gartenfritzli»  

 

Zu einem späteren Zeitpunkt nahm ich einige schon ältere, von mir bemalte Bilder, welche ich anfing nun für dieselbe Umsetzung als Hintergrund zu nutzen. So entstanden weitere solche Werke, ergänzt mit Kohlestiften. Freies, Intuitives nachzeichnen, gerade das was aus der Leinwand hervorkommt und ohne zu wissen, was sich dabei ergeben wird.